Akupunktur

Die erste schriftliche Erwähnung der Akupunktur reicht bis ins 2. Jhd. n. Chr. zurück. Das älteste medizinische Werk, der "Innerer Klassiker des gelben Fürsten" (Huangdi Neijing), welches zwischen dem 2. Jhd. vor bis zum 2. Jhd. nach Chr. verfasst wurde, bettet dieses Therapieverfahren erstmals in die gesamte chinesische Medizin ein. Hier finden sich bereits detaillierte Beschreibungen über die wichtigsten Leitbahnen und Akupunkturpunkte, verschiedene Nadeltypen (Metall), Indikationen und Kontraindikationen sowie verschiedene Stichtechniken und zusätzliche Behandlungsverfahren wie z.B. Moxibustion. Neuere Grabfunde bzw. Ausgrabungen belegen jedoch, daß bereits vor 4000 bis 6000 Jahren Steinnadeln oder Bambussplitter als therapeutische Instrumente zur Anwendung kamen.

Die Akupunktur (lat.: acus=Nadel, punctio=Stechen) ist weltweit das bekannteste und verbreiteste Therpieverfahren der Chinesischen Medizin und hat in Europa unter allen sonstigen  alternativmedizinischen Behandlungsverfahren die größte Bedeutung. In der TCM werden die verschiedenen Energieformen, die auf den Menschen einwirken (Luft, Licht, Klima, Nahrung) unter dem Begriff "Qi" zusammengefasst. Diese Energie "Qi" zirkuliert rhythmisch in den sog. Leitbahnen (Meridianen) im Gewebe und versorgt Haut, Muskeln, Sehen, Knochen und alle Organe.

Die ca. 365 klassischen Akupunkturpunkte liegen auf zwölf paarigen Hauptleitbahnen (sowie acht unpaarigen Leitbahnen) die jeweils nach einem Organ benannt sind. Dabei hat jede Leitbahn ihre spezifische Aufgabe bzw. Qualifikation. Bildhaft kann man sich die Leitbahnen wie ein weit verzweigtes Flusssystem vorstellen, das den menschlichen Körper durchdringt. Befindet sich der Energiefluss im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund. Wird der Energiefluss durch verschiedenste Auslöser akut oder aber über längere Zeit blockiert, gerät er ins Ungleichgewicht und es entstehen Krankheiten und Schmerzen.

Akupunktur

Durch das Einstechen der Nadeln (sterile Einmalnadeln) in definierte Akupunkturpunkte kann der TCM-Arzt den Energiefluss in unterschiedlicher Art beeinflussen. Je nach Auswahl und Kombination der Akupunkturpunkte können Blockaden beseitigt, krankheitsauslösende Faktoren ausgeleitet werden  oder einzelne Organsysteme gestützt werden. Die Behandlung erfolgt im Liegen, beim Einstich sollte bei der korrekt durchgeführten Akupunktur ein sogenanntes "de Qi" –Gefühl ("Erreichen des Qi") entstehen,  welches sich wie ein kurzer Stromimpuls, Ziehen, Druck-, Kribbel- oder auch Wärme- oder Kältegefühl beim Patienten zeigt und meist nur über Sekunden oder wenige Minuten anhält.
Während der ca. 30 minütigen Behandlung werden zwischen 1 bis ca. 15  Punkte stimuliert. Die  Häufigkeit und Anzahl der Behandlungen ist abhängig von der Art und Dauer der Erkrankung sowie von verschiedenen individuellen Faktoren (z.B. Alter und Konstitution des Patienten, Vorliegen von sog. "Störfeldern" etc.).

Die korrekte Anwendung der Akupunktur sollte stets nach einer ausführlichen Anamese und chinesischen Diagnostik erfolgen, hierzu ist eine langjährige, fundierte Ausbildung des Arztes oder Therapeuten nötig.

Die positive Wirkungen der Akupunktur ist durch zahlreiche internationale Studien wissenschaftlich belegt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für zahlreiche Erkrankungen eine Akupunkturtherapie empfohlen.